Kniegelenk

Knie – Wie ist das Kniegelenk aufgebaut?

Wenn Sie den Aufbau eines Kniegelenkes kennen, fällt es Ihnen leichter, die Schädigungen dieses Gelenkes und die damit verbundenen Beschwerden zu verstehen.

Im Kniegelenk bewegt sich der Oberschenkelknochen (Femur) mit dem Unterschenkelknochen, dem Schienbein (Tibia). Der zweite Unterschenkelknochen, das Wadenbein (Fibula) gehört nicht zum Kniegelenk. Die Gelenkflächen an den Knochenenden sind mit Knorpel überzogen, was ein glattes, sanftes Bewegen der Knochen gegeneinander erlaubt. Die Gelenkfläche des Oberschenkels, bestehend aus innerer und äußerer Knierolle, ist gewölbt, die Gelenkflächen des Unterschenkels am Schienbeinkopf sind etwas gemuldet. Die an den Rändern entstehenden Hohlräume werden durch die Menisci (innerer und äußerer Meniskus) ausgefüllt. Es handelt sich dabei um keilförmige, halbmondförmige Knorpelscheiben.

Diese Menisci haben für die Bewegung und Belastung des Kniegelenkes eine führende Bedeutung und als sogenannte Dämpfer eine Pufferwirkung. Ein dritter Knochen, die Kniescheibe (Patella), gehört ebenfalls zum Kniegelenk und bildet mit einer Gelenkfläche am Oberschenkel gewissermaßen ein weiteres Gelenk. Die Kniescheibe gleitet bei jeder Beugung und Streckung des Kniegelenkes nach unten bzw. nach oben. Die Patella ist in die Sehne des Oberschenkelstreckmuskels eingelassen, die an einem Vorsprung am Schienbein verankert ist.

Für die feste und exakte Führung des Kniegelenkes sorgen die Bänder. Es gibt ein inneres und ein äußeres Seitenband sowie zwei Kreuzbänder, ein vorderes und ein hinteres Kreuzband, die im Gelenk liegen. Dieser Bandapparat sorgt bei den Bewegungen des Kniegelenkes im Zusammenspiel mit der Muskulatur für die richtige Führung und den festen Halt. Voraussetzung dafür ist eine gute kräftige Muskulatur. Das Kniegelenk ist auch – wie alle Gelenke – von einer Gelenkkapsel umhüllt. Diese Gelenkkapsel besteht aus zwei Teilen, einer straffen Gelenkkapsel, die das Gelenk insgesamt schützt, und einer zarten, inneren Gelenkkapsel (Synovia), die die Gelenkflüssigkeit (Synovialflüssigkeit) produziert, die den Knorpel hauptsächlich ernährt und die Reibungskräfte mindert.

Das Kniegelenk wird in drei Gelenkabschnitte eingeteilt. Diese Einteilung ist sinnvoll, weil bei Erkrankung nur eines Gelenkabschnittes auch nur ein einzelner Gelenkabschnitt durch ein Kunstgelenk ersetzt werden kann. Der innere Gelenkabschnitt liegt zwischen der inneren Oberschenkelrolle und dem inneren Schienbeinkopf mit dem Innenmeniskus. Der äußere Gelenkabschnitt liegt zwischen äußerer Oberschenkelrolle und äußerem Schienbeinkopf mit dem Außenmeniskus. Der vordere Gelenkabschnitt liegt zwischen der Rückseite der Kniescheibe und dem Gleitlager am Oberschenkel.

Beim Bewegungsablauf des Kniegelenkes, d.h. beim Beugen und Strecken, handelt es sich nicht um eine reine Scharnierbewegung, sondern um eine Rollgleitbewegung des Oberschenkels auf dem Unterschenkel. Jede Schädigung einer oder mehrerer Strukturen des Kniegelenkes kann zu einer Störung des Gleichgewichtes führen und somit einen Gelenkverschleiß – Arthrose – auslösen.

Kniescheibe

Läsionen, Verletzungen, aber auch Funktionsstörungen der Kniescheibe beeinträchtigen die Gesamtfunktion des Kniegelenkes deutlich. Im Vergleich zum eigentlichen Kniegelenk nimmt die Kniescheibe unberechtigterweise aber eine „Außenseiterstellung“ ein. Viele Erkrankungen und Schmerzen, die der Laie eher dem eigentlichen Kniegelenk zuordnen würde, sind in Wirklichkeit auf das Gelenk der Kniescheibe mit dem Oberschenkel zurückzuführen.

Das patellare Schmerzsyndrom

Die Ursachen für das Schmerzsyndrom sind vielfältig. Muskelverletzungen und allgemeine Bandschwäche können ebenso die Ursache für Schmerzen sein wie Knorpelschäden oder aber auch Knorpelerweichungen. Falls durch konservative Maßnahmen wie intensives Muskeltraining oder knorpelaufbauende Substanzen keine Besserung der Beschwerden zu erreichen ist, kommen operative Maßnahmen wie die arthroskopische Knorpelspaltung oder die Kniescheibenvernetzung in Betracht.

Kniescheibenluxationen

Unter Kniescheibenluxationen versteht man das Ausrenken der Kniescheibe, die sich dann häufig von selber wieder repariert. Begünstigt werden diese Luxationen meist durch eine Fehlform der Kniescheibe. Um immer wiederkehrende Ereignisse dieser Art zu vermeiden, empfiehlt sich die operative Behandlung entweder durch einen Weichteileingriff oder die knöcherne Vernetzung der Kniescheibe. Geschieht dies nicht, kommt es häufig zu irreparablen Knorpelschädigungen.

Kniescheibenfehlformen und Fehlstellungen

Kniescheibenfehlformen und Fehlstellungen führen häufig zu einem erhöhten Druck auf den Knorpel hinter der Kniescheibe, was zu ausgeprägten Schmerzsymptomen führen kann. Falls durch konsequente konservative Therapie (Dehnungstherapie usw.) keine Besserung erreicht werden kann, ist hier unbedingt das operative Vorgehen anzuraten.

Manchmal reicht bereits die arthroskopische Knorpelspaltung, um den erhöhten Druck zu senken. Bei ausgeprägten Fehlstellungen muss die Kniescheibe jedoch knöchern vernetzt werden.

Kniescheibenknorpelschäden

Sind Knorpelschäden unter der Kniescheibe auf Fehlstellungen oder Fehlformen zurückzuführen, werden diese behandelt. Bei sonstigen Knorpelschäden richtet sich die Behandlung nach dem Grad der Schädigung und ist ähnlich der der Knorpelbehandlung im eigentlichen Kniegelenk.

Meniskus

Zwischen den Gelenkflächen befinden sich die beiden Meniski, halbmondförmig geformte Knorpelscheiben, die die Gelenkflächen schützen sollen. An der Außenseite befindet sich der laterale Meniskus (Außenmeniskus). Der mediale Meniskus (Innenmeniskus) befindet sich an der Seite, die dem gegenüberliegenden Knie zugewandt ist.

Ein gesunder Meniskus fängt die bei jedem Schritt oder Sprung auftretenden Stöße ab – vergleichbar mit einem Stoßdämpfer – und verteilt die einwirkenden Kräfte gleichmäßig über das gesamte Gelenk. Eine übermäßige Drehbewegung wird durch die gelenkstabilisierenden Eigenschaften des Meniskus verhindert. Der äußere Rand des Meniskus wird mit nährstoffreichem Blut versorgt.

Risse im Meniskus

Meniskuseinrisse können in unterschiedlichen Formen, Ausprägungen und an verschiedenen Stellen auftreten. Sie treten meist akut als Folge einer Sportverletzung im Rahmen einer Drehbewegung auf, können aber auch auf einer länger zurückliegenden Verletzung oder einer chronischen Fehlbelastung beruhen. Ebenso können mehrere Risse gleichzeitig vorliegen. Betroffen ist meist der mit dem Seitenband verwachsene Innenmeniskus. Das operative Vorgehen und die Heilungsdauer hängt von der Lokalisation des Meniskusrisses ab. Bleibt der Meniskusschaden unbehandelt, kann es zu einer Aufrauhung der Knorpelschicht und einer Entzündung des Gelenkes (Arthritis) kommen.

Ein Meniskusriss hat dieselben Auswirkungen wie Schmutz im Getriebe einer Maschine: Je länger eingerissene Gewebestücke im Gelenk belassen werden, desto mehr Schaden kann entstehen. Eine frühe Diagnosestellung bedeutet einen früheren Behandlungsbeginn und einen dementsprechend geringeren Schaden für das Kniegelenk. Eine schnelle Heilung wird zudem durch eine begleitende Physiotherapie unterstützt.

Meniskusoperationen

In Abhängigkeit von der Art des Risses erfolgt die Wahl des Operationsverfahrens. Die meisten Meniskuseingriffe werden heute über eine Arthroskopie (Gelenkspiegelung) durchgeführt. Bei der Arthroskopie wird das notwendige Instrumentarium durch kleine Einschnitte am Kniegelenk eingeführt, der Operateur verfolgt den Eingriff dann auf einem Videoschirm.

Eine solche Arthroskopie kann ambulant entweder in einer rückenmarksnahen Regionalanästhesie – wobei von der Hüfte abwärts Schmerzfreiheit und Gefühllosigkeit erzeugt wird – oder einer Allgemeinanästhesie (Vollnarkose) durchgeführt werden. Der Operateur wird möglichst versuchen, den Meniskus mittels einer Naht oder mit Hilfe von speziellen Meniskuspfeilen zu reparieren, um die Stoßdämpfung im Gelenk weitgehend zu erhalten. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass sich der Riss im durchbluteten Gebiet an der Außenseite befindet.

Bei der Pfeiltechnik, bei der kleine Pins den Riss zusammenhalten, sind nur winzige Schnitte im Knie notwendig. Sollte eine Reparatur des Meniskus nicht in Frage kommen, wird nur soviel Gewebe entfernt, wie unbedingt notwendig ist. Da der Meniskus nicht vollständig wieder nachwächst, wird nun die knorpelige Gelenkfläche die Rolle als Stoßdämpfer im Kniegelenk übernehmen. Folge davon kann ein erhöhter Gelenkverschleiß mit einer frühzeitigen Arthrose sein.

Arthroskopische Kreuzbandoperationen

Das vordere Kreuzband ist der wichtigste Stabilisator des Kniegelenks. Nach einem vorderen Kreuzbandriss entsteht eine Instabilität des Gelenks, die in der Regel bei normalem Gehen noch nicht deutlich wird. Erst bei sportlicher Belastung, bei Müdigkeit bzw. nachlassender Konzentration und bei „Fehltritten“ kommt es zu einem „Verrutschen“ des Oberschenkelknochens gegenüber dem Schienbeinknochen.

Das vordere Kreuzband verhält sich somit wie ein „Sicherheitsgurt“, den man erst im Moment des Unfalls benötigt, dessen Bedeutung einem dann um so deutlicher wird. Durch das „Abrutschen“ der Oberschenkelrollen gegenüber dem Schienbeinplateau und den Menisken kann es zu weiteren Verletzungen, vor allem des Gelenkknorpels, der Menisken und der Gelenkkapsel, kommen. Wann ein derartiges Ereignis auftritt, ist unvorhersehbar. Tritt es mit entsprechender Gewalt auf, kann dies das „Aus“ für das Kniegelenk bedeuten. Auffassungen, wonach derartige Ereignisse durch ein gutes Muskeltraining vermieden werden können, sind falsch und entsprechen nicht der Erfahrung der Spezialisten.

Es besteht daher heute die Auffassung, Kniegelenke mit vorderen Kreuzbandrissen zum frühestmöglichen Zeitpunkt zu stabilisieren. Wegen der Gefahr einer Arthrofibroseentwicklung (Gelenkeinsteifung) ist unter frühestmöglichem Zeitpunkt ein Abstand von etwa vier bis fünf Wochen zum Unfallzeitpunkt zu verstehen, wobei der Operationszeitpunkt möglichst weder wesentlich vor noch wesentlich nach diesem idealen Punkt liege sollte.

Behandlungsprinzip

Bei der vorderen Kreuzbandruptur kommt es darauf an, den verlorengegangenen „inneren Halt“ des Gelenks wiederherzustellen. Hierzu muss das vordere Kreuzband so anatomisch wie möglich rekonstruiert werden. Dabei sollte das neue Kreuzband die Eigenschaften und die Funktion des natürlichen vorderen Kreuzbandes soweit wie möglich nachahmen.

Als Ersatzmaterial haben sich vor allem zwei Transplantate herauskristallisiert, die heute verwendet werden:

  • Die sogenannte Patellarsehne mit anhängenden Knochenblöcken aus der Kniescheibe und dem Unterschenkelknochen.
  • Die Semitendinosussehne, die entweder in Zweifach-, Dreifach- oder Vierfachtechnik verwendet wird.

Beide sogenannte Kreuzbandplastiken werden in arthroskopischer Technik angeboten, wobei zum Gewinn der Kniescheibensehne in der Regel ein etwas größerer Schnitt benötigt wird als bei der Verwendung der Semitendinosussehne. Welche Sehne im Einzelfall zum Einsatz kommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab, zu denen das Alter des Patienten, Geschlecht des Patienten, sportliche Beanspruchung, Körpertypus, Körpergewicht, Körpergröße, Bindegewebseigenschaften und ähnliches zählen.

Return to Play bei vorderem Kreuzbandriß

Die Ruptur des vorderen Kreuzbandes ist für den Sportmediziner eine große Herausforderung. Neben der exakten anatomischen Rekonstruktion durch den Chirurgen, sind auch physiotherapeutische und trainingsmethodische Nachbehandlungen von wesentlicher Bedeutung. Reißt sich eine Spitzenfußballer das vordere Kreuzband, so wird innerhalb von Tagesfrist verkündet, er könne in sechs Monaten wieder spielen. Aktuell ist der Fall Khedira wieder in der Presse vertreten. Es wird berichtet das der Spieler nach fünfmonatiger Nachbehandlung wieder ins Mannschaftstraining einsteigt. Dieses frühe Einsteigen birgt ein großes Restrisiko einer erneuten Verletzung, und muss letztendlich vom Sportler verantwortet werden. Sicherlich sind die Rahmenbedingungen eines Spitzefußballers besser organisiert, doch die Heilungsphase einer Kreuzbandplastik gibt der menschliche Körper vor. Hier müssen nach strengen Kriterien wichtige Fragen zur return to play Problematik berücksichtigt werden. Fragen zur Rerupturrate, Fragen des Langzeitverlaufs hinsichtlich einer Kniegelenksarthrose, und Leistungseinbußen durch Kraft- und Funktionsverlust müssen hinterfragt werden. So wird ein Spitzenfußballer auf dem Höhepunkt seiner Karriere nach VKB Ruptur die Antwort auf return to play unter anderen Gesichtspunkten beantworten wie ein ambitionierter Breitensportler in der Verbandsliga. Auch die Sportarten sind bedeutsam. So sind Sportarten wie Fußball, Handball und Tennis im Gegensatz zu Ausdauersportarten als besonders kritisch zu betrachten.

An dem Entscheidungsprozess nehmen der Operateur, der Mannschaftsarzt und der Physiotherapeut teil. Im Spitzenfußball sind auch monetäre und strategisch taktische Gründe von Bedeutung, weshalb die Entscheidungsfindung auch von Trainer und Berater mit getroffen werden.

In der Nachbehandlung ist der Faktor Stabilität des operativ versorgten Kniegelenkes eine wesentliche Komponente. Hierbei kann mit klinischen Tests und apparativer Messung die statische Stabilität erfasst werden. Da der Sportler jedoch komplexe dynamische und multidirektionelle Stabilität benötigt, müssen komplexe Bewegungsanalysen in der Entscheidungsfindung zum return to play herangezogen werden. Diese werden in der Rehabilitation mit verschieden Test gemeinsam mit dem Sportler erarbeitet und bewertet. Neben der Stabilitätsprüfung besitzt die Schwellung des Kniegelenkes bei der Beurteilung zum return to play einen hohen Stellenwert. So kann es nach Aufnahme des sportartspezifischen Trainings zu rezidivierenden Schwellungen und Gelenkergüssen kommen. Diese müssen dann entsprechend behandelt werden.

Die Zeitspanne nach der OP erscheint als wichtigstes Kriterium für den Einsatz eines Profifußballers. In der Bundesliga erhalten die Sportler im Schnitt nach 7,3 Monaten die Freigabe zum return to play. Der Aspekt des Remodelling des Transplantates ist der limitierende Faktor. Und dieses Remodelling dauert beim Spitzensportler genau so lange wie beim Breitensportler. Denn in einer sensiblen Phase des Remodelling, welche etwa den Zeitraum zwischen dem 6-8 Monat nach operativer Versorgung entspricht, ist das Risiko einer Reruptur deutlich erhöht. Daher ist in dieser Phase eine im Seitenvergleich zum gesunden Bein gut ausgebildete Muskulatur von wesentlicher Bedeutung. Stabilität, Kraft, Koordination und natürlich auch Kondition sind zwingende Vorraussetzung um im Mannschaftstraining wieder einzusteigen. Sollten nun die körperlichen Vorraussetzungen entsprechend vorhanden sein, bedeutet das noch lange nicht, daß der Sportler mental für den Wettkampf ausreichend vorbereitet ist. Der Faktor Angst vor einer erneuten Verletzung ist bei den meisten Sportlern stets mit dabei.

Zusammenfassend muss festgestellt werden, daß für die return to play Entscheidung multiple individuelle Faktoren berücksichtigt werden müssen. Durch gemeinsame verantwortungsbewußte Entscheidungsfindung durch den Sportler und den behandelnden Arzt wird der Zeitpunkt zum return to play individuell festgelegt.



Arthrose-Behandlung

Es kommt zu abnormalen Reaktionen am angrenzenden Knochen und zu einer entzündlichen Reaktion im Gelenk. Unter Arthrose versteht man eine degenerative Gelenkerkrankung (Gelenkverschleiß). Mit zunehmendem Alter lässt sich bei sehr vielen Menschen eine generelle Abnutzung der Gelenke feststellen. Die glatte Knorpelgewebsschicht wird altersbedingt, aber auch belastungsbedingt, vermehrt abgerieben und rauh, so dass sich die Gleitfunktion vermindert. Die Arthrose ist eine Krankheit, die sich meistens über viele Jahre, oder sogar Jahrzehnte hinweg, entwickelt.

Die Beschwerden treten also keinesfalls sofort auf. Jede Über- und Fehlbelastung kann dazu führen, dass der Knorpel an seiner Oberfläche verletzt wird. Dadurch können einige Knorpelzellen absterben und es entstehen Furchen und Risse. Dieser Verschleißprozess nimmt dann deshalb seinen Lauf, weil der ausgewachsene Mensch keinen Gelenkknorpel nachbilden kann. Schon bald hält der Knorpel auch den normalen Alltagsbelastungen nicht mehr stand. Der Knorpel wird rauh und fasert auf. Kleine Knorpeltrümmer lösen sich ab und reizen als Abriebstückchen die Gelenkinnenhaut. Es kommt zu einer Reaktion der Gelenkinnenhaut, in deren Folge eine Gelenkentzündung und ein Erguss entstehen. Daraus resultiert dann eine Störung des Bewegungsablaufes. Diese Prozesse sind für den Betroffenen mit zunehmenden Schmerzen verbunden.

Grundsätzlich können alle Gelenke des Körpers betroffen sein. Am häufigsten treten sie an Gelenken der unteren Extremitäten auf, die schon durch das Körpergewicht stark belastet sind. Die Folge der Arthrose sind Schmerzen, zuerst bei Belastung – die Gehstrecken werden immer kürzer – bis schließlich auch im Ruhezustand kaum noch Linderung zu verspüren ist. Ein typisches Syndrom ist der sogenannte „Anlaufschmerz“: morgens nach dem Aufstehen oder tagsüber nach längerem Sitzen fallen die ersten Schritte schwer, denn das betroffene Gelenk ist wie eingerostet. Gleichzeitig nimmt auch die Gelenkbeweglichkeit ab. Nachteil der zwangsweisen Schonung ist, dass es zum einen durch mangelnde Bewegung zu einer Schwächung der Muskulatur kommt, zum anderen sich die Ernährungssituation des Knorpels weiter verschlechtert.

Der Muskel braucht Bewegung und Belastung, um kräftig zu bleiben, der Knorpel braucht Bewegung und eine gewisse Belastung, damit er ausreichend ernährt wird. Bei der chronischen Polyarthritis (Rheuma) werden viele Gelenke befallen und zerstört. Hier verläuft der Entzündungsprozess im Gegensatz zur Arthrose etwas anders, aber der Endzustand beider Formen ist vergleichbar. Bei der gegen den eigenen Körper gerichteten Abwehrreaktion entstehen spezielle Substanzen, die zu einem entzündlichen Anschwellen der Gelenkschleimhaut führen. Hierdurch wird der normale Ernährungsweg für den Gelenkknorpel erheblich beeinträchtigt und es findet ein Zerstörungsprozess der Knorpeloberfläche und der Knochenknorpelgrenze statt. Folge ist eine zunehmende Verformung und Gebrauchsunfähigkeit der Gelenke. Dieser Prozess kann langsam, schleichend oder rasch fortschreiten.

Arthrose – Operative Therapiemöglichkeiten

Gelenksäuberung (Debridement)

Dabei werden aufgefaserte Fransen mit einer Minifräse abgeschnitten und geglättet. Instabile Knorpelanteile werden entfernt. Gleichzeitig werden Meniskusschäden saniert.

Knorpelanbohrung (Pridiebohrungen), Microfracturetechnik

Dadurch kann das Nachwachsen eines Ersatzknorpels gefördert werden (Faserknorpel).

Umstellungsosteotomie

Bei Vorliegen einer Achsabweichung eines Beines im Sinne eines O-Beines kommt es zu einer Überlastung des inneren Kniegelenkfaches mit der Folge, dass die dort befindlichen Knorpelflächen vorzeitig abgerieben werden. Neben den Knorpelflächen werden auch die Menisken in den Jeweilig überlasteten Gelenkfächern verschlissen. Folge dieses Verschleißes ist eine Arthrose, die im Falle einer solchen Achsabweichung in der Regel nur ein Gelenkteil betrifft. Genügen die bereits oben beschriebenen Maßnahmen im Sinne einer Knorpelglättung bzw. Gelenktoilette mit Abrasion nicht mehr und gelingt es im Verlaufe eines Jahres mit diesen Maßnahmen nicht, die Beschwerden zumindest wesentlich zu reduzieren, so ist bei Vorliegen einer Achsabweichung eine Korrektur der Beinachse angezeigt.

Die Beinachse muss gerade sein. Bei einer O-Bein-Fehlstellung wird man am Schienbeinkopf eine Umstellung vornehmen. Der Knochen wird vorsichtig durchtrennt und präzise in der gewünschten Stellung wieder aufeinander gesetzt und mit Metallklammern oder Schrauben fixiert bis zur Heilung dieses künstlichen „Knochenbruchs“. Solche Umstellungen können in einer Sitzung kombiniert werden mit der Knorpelanfrischung oder Knorpelverpflanzung.

Die folgenden Abbildungen zeigen eine O-Bein-Korrektur durch Entnahme eines kleinen Knochenkeils unterhalb des Kniegelenkes und Stabilisierung mittels Klammer, welche gewöhnlich 1 Jahr später anlässlich einer Kontrollarthroskopie wieder entfernt wird.

Auch wenn es sich nach einen schweren OP-Eingriff anhört: diese Umstellungen heilen meist schneller ab als die im Kniegelenk nötige Anfrischung der zerstörten Knorpelflächen zur Stimulierung eines neuen Knorpelbelages, der sogenannten „Bioprothese“.

Knieendoprothese – Das künstliche Kniegelenk

Wenn alle sogenannten konservativen Maßnahmen nicht mehr helfen, die Schmerzen zu lindern, gleichzeitig die Beweglichkeit und das Gehvermögen eingeschränkt sind und damit die Lebensqualität deutlich herabgesetzt ist, also das Gelenk sehr zerstört ist, empfehlen wir den Einsatz eines künstlichen Kniegelenkes. Oberstes Ziel dieser Operation ist es, Schmerzfreiheit und eine gute Beweglichkeit zurückzugewinnen und eventuelle Fehlstellungen zu beseitigen.

Viele Patienten haben schon den großen Vorteil eines künstlichen Hüftgelenkes erfahren. Die Entwicklung eines erfolgreichen künstlichen Kniegelenkes – Kniegelenksendoprothese – dauerte etwas länger. Dies ist darauf zurückzuführen, dass das Kniegelenk etwas komplizierter aufgebaut ist als das Hüftgelenk. Inzwischen weist das künstliche Kniegelenk nahezu vergleichbar gute Ergebnisse wie das künstliche Hüftgelenk auf. Eine erfolgreiche Knieendoprothesenoperation nimmt Ihnen den Schmerz und ermöglicht Ihnen wieder eine gute Beweglichkeit im Kniegelenk.